Atemschutz
masken
verständlich erklärt
Was bedeuten FFP1, FFP2 und FFP3? Dieser Beitrag erklärt die Schutzklassen, ihre Grenzen, den Dichtsitz und die betriebliche Auswahl. Entscheidend ist nicht allein die Tätigkeit, sondern die konkrete Gefährdungsbeurteilung.
- FFP1 bis FFP3 fachlich eingeordnet
- Mobile Vergleichsübersicht
- Auswahl nach Gefährdungsbeurteilung
- Dichtsitz, Kennzeichnung und FAQ
Symbolvideo: Spritzarbeit in einer Werkstatt. Das gezeigte Atemschutzgerät ist keine Zuordnung zu FFP1, FFP2 oder FFP3.
Was bedeutet FFP?
FFP steht für Filtering Face Piece. Partikelfiltrierende Halbmasken bedecken Mund und Nase und bestehen vollständig oder überwiegend aus Filtermaterial. Sie werden nach DIN EN 149 in die Klassen FFP1, FFP2 und FFP3 eingeteilt.
Die Klassen unterscheiden sich durch ihre normativ geprüfte Leistungsfähigkeit, insbesondere hinsichtlich Filterdurchlass und Gesamtleckage. Die praktische Schutzwirkung hängt zusätzlich davon ab, ob die Maske geeignet, unbeschädigt, passend und korrekt angelegt ist.
FFP1, FFP2 und FFP3 im Überblick
Die DGUV Regel 112-190 ordnet den drei Klassen Schutzniveaus von 4, 10 und 30 zu. Diese Werte werden nur erreicht, wenn das Atemschutzgerät bestimmungsgemäß eingesetzt wird, sich in einwandfreiem Zustand befindet und der Atemanschluss zur Person passt.
Geringes Abscheidevermögen
Niedrigste der drei FFP-Klassen. Ob sie ausreicht, darf nicht pauschal aus einer Tätigkeitsbezeichnung abgeleitet werden.
Mittleres Abscheidevermögen
Höheres Schutzniveau als FFP1. Die konkrete Eignung richtet sich weiterhin nach Gefährdung, Exposition und den einschlägigen Regeln.
Hohes Abscheidevermögen
Höchste FFP-Klasse. Sie ist dennoch nicht automatisch für unbekannte, sauerstoffarme oder besonders hohe Belastungen geeignet.
| Klasse | Abscheidevermögen | DGUV-Schutzniveau | Wichtige Einordnung |
|---|---|---|---|
| FFP1 | gering | 4 | Deutliche Stoff- und Einsatzbeschränkungen beachten. |
| FFP2 | mittel | 10 | Konkrete Eignung nur aus der Gefährdungsbeurteilung ableiten. |
| FFP3 | hoch | 30 | Keine automatische Eignung für jede hohe oder unbekannte Gefährdung. |
Wie wird geeigneter Atemschutz ausgewählt?
Die Auswahl beginnt nicht mit der Frage „FFP2 oder FFP3?“, sondern mit der Ermittlung der Gefährdung. Technische und organisatorische Maßnahmen sind vorrangig zu prüfen.
Ohne ausreichend bekannte Umgebungsbedingungen ist eine sichere Auswahl von Filtergeräten nicht möglich.
Filtergeräte dürfen nicht verwendet werden, wenn der erforderliche Sauerstoffgehalt nicht sichergestellt ist.
Schutzbrille, Gehörschutz oder andere Ausrüstung dürfen den Dichtsitz nicht beeinträchtigen.
Atemwiderstand, Wärmebelastung, Gebrauchsdauer und Erholungszeiten sind mit zu bewerten.
Wogegen FFP-Masken nicht oder nicht automatisch schützen
Grundsätzlich beachten
- FFP-Masken filtern Partikel beziehungsweise Aerosole.
- Die tatsächliche Wirkung setzt einen passenden Dichtsitz voraus.
- Herstellerinformationen und betriebliche Vorgaben sind einzuhalten.
- Beschädigte oder ungeeignete Masken dürfen nicht verwendet werden.
Keine pauschale Eignung
- nicht gegen Gase und Dämpfe
- nicht bei Sauerstoffmangel
- nicht in unbekannter Atmosphäre
- nicht automatisch bei sehr hohen Konzentrationen
- nicht als Ersatz für Augen-, Haut- oder Körperschutz
Dichtsitz, Anpassungsüberprüfung und Bart
Bei eng anliegenden Atemanschlüssen ist der Dichtsitz entscheidend. Durch Leckagen kann ungefilterte Umgebungsluft am Filtermaterial vorbeiströmen.
Vor dem betrieblichen Einsatz
Vor dem erstmaligen Gebrauch sollte die Passform unter Anleitung einer dafür ausgebildeten Person überprüft werden. Die DGUV Regel beschreibt qualitative und quantitative Anpassungsüberprüfungen.
Bei jedem Anlegen
Zusätzlich ist die vom Hersteller vorgesehene Dichtsitzkontrolle durchzuführen. Ein vereinfachtes Zuhalten der Filterfläche ersetzt keine individuelle Anpassungsüberprüfung.
Woran lässt sich eine korrekt gekennzeichnete FFP-Maske erkennen?
Die Kennzeichnung ist ein wichtiger Prüfpunkt. Sie beantwortet jedoch nicht allein, ob das Produkt für die konkrete Gefährdung geeignet ist.
Ausatemventil, Gebrauchsdauer und Austausch
Mit oder ohne Ausatemventil?
Ein Ausatemventil kann den Ausatemwiderstand und die Wärmebelastung beeinflussen. Es ändert nicht automatisch die Schutzklasse gegen eingeatmete Partikel. Die ausgeatmete Luft wird bei vielen Ventilmasken nicht wirksam gefiltert; Vorgaben zum Schutz anderer Personen sind deshalb gesondert zu beachten.
Keine pauschale Tragezeit
Gebrauchsdauer und Erholungsdauer hängen unter anderem vom Gerät, Ausatemventil, der Arbeitsschwere, dem Klima, weiterer PSA und den individuellen Voraussetzungen ab. Maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung, Herstellerangaben und anwendbare Regeln.
Was müssen Arbeitgeber und Beschäftigte beachten?
Aufgaben des Arbeitgebers
- Gefährdungsbeurteilung durchführen und dokumentieren
- vorrangige Schutzmaßnahmen festlegen
- geeignete, passende Atemschutzausrüstung bereitstellen
- Unterweisung und sichere Benutzung organisieren
- gegebenenfalls arbeitsmedizinische Vorsorge veranlassen
Aufgaben der Beschäftigten
- bereitgestellte Ausrüstung bestimmungsgemäß benutzen
- Dichtsitz und Zustand vor der Verwendung prüfen
- Mängel und Probleme unverzüglich melden
- Unterweisung und Betriebsanweisung beachten
- keine eigenmächtigen Änderungen am Produkt vornehmen
Häufige Fragen zu FFP1, FFP2 und FFP3
Die Antworten geben eine allgemeine Orientierung. Für betriebliche Entscheidungen bleibt die konkrete Gefährdungsbeurteilung maßgeblich.
Ist FFP3 grundsätzlich immer besser als FFP2?
FFP3 besitzt innerhalb der FFP-Klassen ein höheres Abscheidevermögen und ein höheres DGUV-Schutzniveau. Das bedeutet aber nicht, dass FFP3 automatisch für jede Tätigkeit geeignet ist. Zu berücksichtigen sind unter anderem Stoffform, Konzentration, Dichtsitz, Atemwiderstand, Gebrauchsdauer und spezielle Vorschriften.
Schützt eine FFP2-Maske vor Lack-, Lösemittel- oder Klebstoffdämpfen?
Eine reine FFP2-Maske ist ein Partikelfilter und schützt nicht gegen Gase oder Dämpfe. Bei solchen Belastungen muss anhand der Gefährdungsbeurteilung geprüft werden, ob ein Gasfilter, Kombinationsfilter oder ein anderes Atemschutzsystem erforderlich ist.
Darf eine eng anliegende FFP-Maske mit Bart getragen werden?
Gesichtsbehaarung darf die Dichtlinie nicht unterbrechen. Bart oder Bartstoppeln im Dichtbereich können dazu führen, dass der erforderliche Dichtsitz nicht erreicht wird. Dann ist ein anderer geeigneter Atemanschluss zu prüfen.
Kann eine FFP-Maske mehrfach verwendet werden?
Die Kennzeichnung ist entscheidend: „NR“ bedeutet, dass die Maske nicht für den Wiedergebrauch über eine Arbeitsschicht hinaus vorgesehen ist. Bei „R“ sind Wiederverwendung, Prüfung, Reinigung, Lagerung und Austausch ausschließlich nach Herstellerinformationen und betrieblichen Vorgaben zu beurteilen.
Reicht bei Asbestarbeiten eine FFP3-Maske aus?
Eine solche pauschale Aussage wäre falsch. Für Asbest gelten besondere rechtliche und technische Anforderungen. Eine FFP3-Maske allein ersetzt weder das vorgeschriebene Verfahren noch weitere technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen.
Ist eine chirurgische Maske dasselbe wie eine FFP-Maske?
Nein. Medizinische Gesichtsmasken und partikelfiltrierende Halbmasken unterliegen unterschiedlichen Produktanforderungen und verfolgen nicht dieselbe Schutzfunktion. Für betrieblichen Atemschutz ist das nach der Gefährdungsbeurteilung geeignete Atemschutzgerät auszuwählen.
Genügt das CE-Zeichen als Nachweis für die richtige Auswahl?
Nein. Die CE-Kennzeichnung betrifft die Konformität des Produkts mit den einschlägigen europäischen Anforderungen. Sie ersetzt nicht die Prüfung, ob genau dieses Modell und diese Schutzklasse für die konkrete Gefährdung und die jeweilige Person geeignet sind.
Wer legt im Betrieb die geeignete Atemschutzausrüstung fest?
Verantwortlich ist der Arbeitgeber. Die Auswahl erfolgt auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung und mit der erforderlichen Fachkunde. Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Herstellerinformationen und zuständige Unfallversicherungsträger können dabei unterstützen.
Fachliche und rechtliche Grundlagen
Für die inhaltliche Einordnung wurden vorrangig amtliche oder berufsgenossenschaftliche Quellen verwendet. Die verlinkten Originalquellen sind bei einer betrieblichen Entscheidung in ihrer jeweils aktuellen Fassung zu prüfen.