Sicherheitsschuhe – Schutz und Belastung im Arbeitsalltag

Sicherheitsschuhe gehören zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und schützen vor akuten Gefährdungen.
Gleichzeitig beeinflussen sie Haltung, Bewegung und Ermüdung – besonders bei langem Tragen.

Sicherheitsschuhe in der Praxis

Sicherheitsschuhe werden in sehr unterschiedlichen Arbeitsumgebungen getragen.
Entscheidend ist nicht nur die Schutzklasse, sondern wie lange, wie viel Bewegung und auf welchem Untergrund gearbeitet wird.

Was macht Sicherheitsschuhe wirksam – und wann nicht?

Sicherheitsschuhe sind persönliche Schutzausrüstung.
Ihre Schutzwirkung entsteht nicht allein durch das Erfüllen einer Norm, sondern durch das Zusammenspiel von Schutzfunktion, Passform, Trageverhalten und Arbeitsrealität.

Ein häufiger Irrtum: „Je höher die Schutzklasse, desto besser.“
In der Praxis entscheidet etwas anderes.

1. Schutzwirkung entsteht nur, wenn der Schuh konsequent getragen wird

Ein Sicherheitsschuh schützt nur dann, wenn er dauerhaft und korrekt getragen wird.
Das klingt banal – ist aber der häufigste Schwachpunkt in der Praxis.

Typische Probleme im Arbeitsalltag

  • Schuhe werden nur teilweise geschnürt

  • Fersen werden offen getragen

  • Schuhe werden in Pausen ausgezogen und nicht wieder angezogen

  • Alternativschuhe werden genutzt, „weil sie bequemer sind“

 Der Grund ist selten Unwissen, sondern mangelnde Trageakzeptanz.

Was Trageakzeptanz beeinflusst

  • Gewicht des Schuhs

  • Steifigkeit der Sohle

  • Druckstellen oder Enge

  • Hitze, Kälte oder fehlende Atmungsaktivität

Kernaussage:

Ein unbequemer Sicherheitsschuh reduziert die tatsächliche Schutzwirkung –
unabhängig von seiner Schutzklasse.

Sicherheitsschuhe wirken nicht nur auf den Fuß, sondern auf den gesamten Bewegungsapparat.

Was eine schlechte Passform auslöst

  • veränderte Gangart

  • Ausweichbewegungen

  • ungleichmäßige Belastung

  • schnellere Ermüdung

Diese Effekte übertragen sich auf:

  • Knie

  • Hüfte

  • Rücken

Rückenbeschwerden können durch ungeeignete Sicherheitsschuhe verstärkt werden, auch wenn der Arbeitsplatz selbst gut gestaltet ist.

Praxisrelevant

  • zu schmale Schuhe → Druck & Schonhaltung

  • zu weite Schuhe → fehlender Halt & Stolperrisiko

  • falsche Größenwahl → Ermüdung statt Schutz

Ein normgerechter Schuh ist nicht automatisch ein ergonomisch geeigneter Schuh.

Schutzklassen (z. B. S1, S2, S3) definieren Mindestanforderungen.
Sie sagen jedoch nichts darüber aus, ob der Schuh zur konkreten Tätigkeit passt.

Häufige Fehlannahmen

  • „S3 ist immer besser als S1“

  • „Mehr Schutz schadet nie“

In der Praxis bedeutet „mehr Schutz“ oft:

  • höheres Gewicht

  • steifere Konstruktion

  • geringere Beweglichkeit

Wird ein zu hoher Schutzstandard gewählt, kann das neue Belastungen schaffen, ohne zusätzlichen Sicherheitsgewinn.

Kernaussage:

Die richtige Schutzklasse ist die, die zur realen Gefährdung passt –
nicht die höchstmögliche.

Schuhe bestimmen:

  • wie stabil jemand steht

  • wie sicher Schritte gesetzt werden

  • wie viel Energie beim Gehen verloren geht

Relevante Faktoren

  • Dämpfung der Sohle

  • Flexibilität im Vorfußbereich

  • Abrollverhalten

  • Rutschhemmung passend zum Untergrund

Zu harte oder ungeeignete Sohlen können:

  • die Beinmuskulatur überlasten

  • Ermüdung beschleunigen

  • die Sturzgefahr erhöhen

 Sicherheitsschuhe können Belastungen reduzieren – oder verstärken.

Sicherheitsschuhe sind eine persönliche Maßnahme im STOP-Prinzip.
Sie wirken am besten, wenn sie nicht isoliert betrachtet werden.

Wichtige Wechselwirkungen

  • Bodenbeschaffenheit

  • Arbeitsorganisation (Stehzeiten, Pausen)

  • technische Maßnahmen (z. B. rutschhemmende Böden)

  • Unterweisung zur richtigen Nutzung

 PSA ergänzt – sie ersetzt keine technischen oder organisatorischen Maßnahmen.

Sicherheitsschuhe richtig einbinden

Sicherheitsschuhe sind eine persönliche Schutzmaßnahme.
Sie entfalten ihre Wirkung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Arbeitsumgebung, Organisation und Unterweisung.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen „Schuhe bereitstellen“ und wirksamem Arbeitsschutz.

Technische Maßnahmen

PSA ergänzt Technik – sie ersetzt sie nicht.

Technik – zuerst Risiken reduzieren

Sicherheitsschuhe sind keine Lösung für technische Mängelrutschige Böden, Kanten oder Unebenheiten müssen technisch betrachtet werdenPSA reduziert verbleibende Risiken, ersetzt aber keine TechnikMerksatz: 👉 PSA ergänzt Technik – sie ersetzt sie nicht.

Arbeitsorganisation

Pausen, Wechsel und Abläufe beeinflussen die Wirkung.

Arbeitsorganisation – beeinflusst die Schutzwirkung

lange Steh- oder Gehzeiten erhöhen Ermüdungmonotone Abläufe fördern einseitige Belastungenfehlende Pausen reduzieren Aufmerksamkeit und SchutzwirkungPraxisbezug: 👉 Auch gut ausgewählte Schuhe wirken schlechter bei ungünstigen Abläufen.

Richtige Nutzung

Schutz entsteht nur durch korrektes Tragen

Unterweisung – Voraussetzung für richtige Nutzung

korrektes Tragen (Schnürung, Sitz) ist entscheidendneue Schuhe müssen eingetragen werdenUnterschiede zwischen Modellen müssen erklärt werdenVerständnis für das „Warum“ erhöht die AkzeptanzMerksatz: 👉 PSA ohne Unterweisung wirkt oft nur auf dem Papier.

Zustand & Verschleiß

Abgenutzte Schuhe verlieren ihre Schutzwirkung.

Kontrolle & Zustand – Schutz lässt nach

Sohlen nutzen sich abRutschhemmung lässt schleichend nachBeschädigungen werden oft spät bemerktPassform kann sich mit der Zeit verändernPraxisregel: 👉 Abgenutzte Schuhe = reduzierte Schutzwirkung.

Sicherheitsschuhe: Schutzklassen & Einsatzgrenzen

Wann Sicherheitsschuhe erforderlich sind

Sicherheitsschuhe sind erforderlich, wenn Gefährdungen für die Füße nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen ausgeschlossen werden können, z. B. durch herabfallende Gegenstände, Quetschungen, Nässe oder spitze Gegenstände.


 

Schutzklassen – was S1, S2, S3 wirklich bedeuten

Die Schutzklassen beschreiben Mindestanforderungen, keine Einsatzempfehlung.

  • S1
    Grundschutz mit Zehenschutzkappe, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich
    → geeignet für trockene Arbeitsbereiche ohne zusätzliche Boden- oder Feuchtigkeitsgefahren

  • S2
    wie S1, zusätzlich wasserabweisendes Obermaterial
    → geeignet bei gelegentlicher Nässe oder feuchter Umgebung

  • S3
    wie S2, zusätzlich durchtrittsichere Sohle und profilierte Laufsohle
    → geeignet bei erhöhtem Verletzungsrisiko durch spitze Gegenstände oder unebenen Untergrund

Wichtig:
Höhere Schutzklasse bedeutet nicht automatisch bessere Ergonomie oder bessere Eignung.


 

Zentrale Kernaussage

Die richtige Schutzklasse richtet sich nach der tatsächlichen Gefährdung – nicht nach dem höchsten verfügbaren Schutz.

Sicherheitsschuhe unterscheiden sich nicht nur in Schutzklassen, sondern auch darin, wie gut sie sich in den Arbeitsalltag integrieren lassen.
Die folgenden Vergleiche zeigen unterschiedliche Modelle – eingeordnet nach Einsatzbereich, Schutzfunktion und Trageeigenschaften.