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Hinweis

Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.

Stand: Juli 2026 Redaktionelle Hinweise
Bürostuhl

Wie stellt man einen Bürostuhl ergonomisch richtig ein?

4 Min. Lesezeit · SafeHeroX Wissensdatenbank

Auf einen Blick

Ein ergonomisch eingestellter Bürostuhl unterstützt die natürliche Haltung der Wirbelsäule und reduziert die Belastung von Rücken, Schultern und Nacken. Entscheidend sind Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehne, Armlehnen und die individuelle Anpassung an den jeweiligen Beschäftigten. Selbst hochwertige Bürostühle entfalten ihre ergonomische Wirkung nur bei richtiger Einstellung.

Der Bürostuhl gehört zu den wichtigsten Arbeitsmitteln am Bildschirmarbeitsplatz. Dennoch sitzen viele Beschäftigte täglich auf falsch eingestellten Stühlen. Die Folgen reichen von Verspannungen und Rückenschmerzen bis hin zu chronischen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Die Einstellung beginnt mit der Sitzhöhe. Sie sollte so gewählt werden, dass Ober- und Unterschenkel einen Winkel von etwa 90 bis 110 Grad bilden. Beide Füße müssen vollständig auf dem Boden stehen. Ist dies aufgrund der Körpergröße nicht möglich, sollte eine Fußstütze verwendet werden.

Zu niedrige Sitzhöhen führen häufig dazu, dass Knie und Hüfte zu stark angewinkelt werden. Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung der Beine und die Bandscheiben werden stärker belastet. Zu hohe Sitzhöhen verhindern dagegen einen sicheren Bodenkontakt der Füße und erhöhen den Druck auf die Oberschenkel.

Ebenso wichtig ist die Sitztiefe. Zwischen der Vorderkante der Sitzfläche und der Kniekehle sollten ungefähr zwei bis vier Fingerbreit Abstand verbleiben. Ist die Sitzfläche zu lang, entsteht Druck auf die Kniekehlen. Ist sie zu kurz, fehlt den Oberschenkeln die notwendige Unterstützung.

Die Rückenlehne sollte die natürliche S-Form der Wirbelsäule unterstützen. Besonders wichtig ist die Lordosenstütze im Bereich der Lendenwirbelsäule. Sie stabilisiert den unteren Rücken und verhindert ein dauerhaftes Rundsitzen.

Moderne Bürostühle verfügen häufig über eine Synchronmechanik. Dabei bewegen sich Sitzfläche und Rückenlehne gemeinsam, sodass der Körper auch beim Zurücklehnen optimal unterstützt wird. Diese Funktion sollte nicht blockiert werden, da Bewegung ausdrücklich erwünscht ist.

Auch die Armlehnen müssen richtig eingestellt werden. Sie sollten die Unterarme locker unterstützen, ohne dass die Schultern angehoben werden. Zu hohe Armlehnen führen zu Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich, zu niedrige bieten kaum Entlastung.

Ein häufiger Fehler besteht darin, die Armlehnen unter den Schreibtisch zu schieben. Dadurch rückt der Beschäftigte häufig zu weit vom Tisch weg und muss sich ständig nach vorne beugen.

Die Sitzfläche sollte leicht nach hinten geneigt sein oder sich gemeinsam mit der Rückenlehne bewegen können. Starre Sitzpositionen gelten ergonomisch heute als überholt. Ziel ist vielmehr dynamisches Sitzen, bei dem sich die Körperhaltung regelmäßig verändert.

Auch die Kopfstütze wird häufig überschätzt. Sie dient in erster Linie der Entlastung in kurzen Ruhephasen und nicht als dauerhafte Stütze während der Bildschirmarbeit. Während des Arbeitens sollte der Kopf überwiegend frei getragen werden.

Ein ergonomisch eingestellter Bürostuhl funktioniert nur im Zusammenspiel mit einem richtig eingestellten Schreibtisch, Bildschirm, Tastatur und Maus. Wird beispielsweise die Sitzhöhe verändert, müssen häufig auch Tisch- und Monitorhöhe angepasst werden.

Besonders wichtig ist der regelmäßige Haltungswechsel. Selbst der beste Bürostuhl kann gesundheitliche Beschwerden nicht verhindern, wenn Beschäftigte acht Stunden nahezu bewegungslos sitzen. Moderne Ergonomie empfiehlt daher den regelmäßigen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen.

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sollten Unternehmen überprüfen, ob Bürostühle individuell einstellbar sind und den Beschäftigten ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Auch regelmäßige Unterweisungen zur richtigen Einstellung sind sinnvoll.

Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass eine möglichst aufrechte Sitzhaltung dauerhaft eingehalten werden müsse. Tatsächlich gilt heute: Die beste Sitzhaltung ist die nächste Sitzhaltung. Regelmäßige Positionswechsel sind ergonomisch deutlich günstiger als starres Sitzen.

Richtig eingestellte Bürostühle verbessern nicht nur den Sitzkomfort. Sie reduzieren Muskelverspannungen, entlasten die Bandscheiben und tragen wesentlich dazu bei, langfristige Rückenbeschwerden zu vermeiden.

Praxis-Tipp:
Überprüfen Sie Ihren Bürostuhl mindestens einmal im Monat neu. Bereits kleine Veränderungen der Sitzhöhe oder Rückenlehne können die Ergonomie deutlich verbessern – besonders nach Arbeitsplatzwechseln oder neuen Schuhen.

Sollte die Rückenlehne beim Arbeiten ständig genutzt werden?

Ja. Die Rückenlehne sollte möglichst häufig genutzt werden und den Rücken aktiv unterstützen. Moderne Bürostühle mit Synchronmechanik fördern Bewegungen und entlasten die Wirbelsäule deutlich besser als dauerhaft freies Sitzen ohne Rückenunterstützung.

Welche Vorschriften sind maßgeblich?

Die rechtlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der ASR A6 – Bildschirmarbeit, der DGUV Information 215-410 – Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, der DIN EN 1335 – Büro-Arbeitsstühle sowie der DIN EN ISO 9241 – Ergonomie der Mensch-System-Interaktion.

Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:

DGUV Information 215-410 – Bildschirm- und Büroarbeitsplätze
https://publikationen.dguv.de/

DIN EN 1335 – Büro-Arbeitsstühle
https://www.beuth.de/

ASR A6 – Bildschirmarbeit
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/ASR/ASR-A6.html

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
https://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/

BAuA – Ergonomische Gestaltung von Büroarbeitsplätzen
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Bildschirmarbeit/Bildschirmarbeit_node.html