Hinweis
Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.
Warum müssen Verkehrswege im Betrieb frei gehalten werden?
Auf einen Blick
Verkehrswege im Betrieb müssen frei gehalten werden, damit Beschäftigte, Besucher, Fahrzeuge und Rettungskräfte sicher unterwegs sein können. Zugestellte Wege, herumliegende Kabel, Kartons, Paletten, Werkzeuge, nasse Böden oder beschädigte Bodenbeläge erhöhen das Risiko für Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle. Besonders kritisch ist es, wenn Verkehrswege gleichzeitig Fluchtwege, Transportwege oder Zugänge zu Feuerlöschern, Erste-Hilfe-Einrichtungen oder Notausgängen sind.
Verkehrswege gehören zu den wichtigsten Sicherheitsbereichen im Betrieb. Sie verbinden Arbeitsplätze, Lagerflächen, Maschinen, Pausenräume, Sanitärräume, Ausgänge, Treppen, Türen und Fluchtwege miteinander.
Wenn diese Wege nicht frei und sicher nutzbar sind, entstehen schnell Gefahren. Beschäftigte können stolpern, rutschen, stürzen, mit Gegenständen zusammenstoßen oder von Transportmitteln gefährdet werden.
Typische Ursachen sind abgestellte Kartons, Paletten, Werkzeuge, Kabel, Schläuche, Verpackungsmaterial, Reinigungsgeräte, lose Matten, beschädigte Bodenbeläge, Flüssigkeiten, Öl, Staub oder schlecht erkennbare Höhenunterschiede.
Viele dieser Gefahren wirken im Alltag harmlos. Ein einzelner Karton im Gang, ein Kabel über dem Boden oder eine Palette vor einer Tür wird oft als „nur kurz abgestellt“ betrachtet. Genau solche Situationen führen jedoch häufig zu Unfällen.
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle zählen in vielen Betrieben zu den häufigsten Unfallarten. Sie passieren nicht nur auf Baustellen oder in Lagern, sondern auch in Büros, Werkstätten, Küchen, Fluren, Treppenhäusern und Pausenbereichen.
Besonders gefährlich sind Verkehrswege, wenn sie unübersichtlich sind oder von mehreren Personen und Fahrzeugen gleichzeitig genutzt werden. Dazu gehören Lagergänge, Versandbereiche, Werkstattflure, Ladezonen, Produktionsflächen und Bereiche mit Hubwagen, Staplern oder Rollcontainern.
Verkehrswege müssen so eingerichtet und betrieben werden, dass sie sicher begangen und befahren werden können. Dazu gehören ausreichende Breite, trittsichere Böden, gute Beleuchtung, klare Kennzeichnung und freie Zugänglichkeit.
Ein wichtiger Punkt ist die Ordnung. Verkehrswege sind keine Lagerflächen. Auch wenn Platzmangel besteht, dürfen Paletten, Kartons, Müllsäcke oder Material nicht dauerhaft in Lauf- oder Fahrwegen abgestellt werden.
Besonders kritisch ist das Blockieren von Flucht- und Rettungswegen. Im Notfall müssen Personen schnell aus dem Gebäude gelangen können. Wenn Wege zugestellt sind, kann wertvolle Zeit verloren gehen.
Auch Zugänge zu Feuerlöschern, Erste-Hilfe-Einrichtungen, Notduschen, Verbandkästen, Schaltanlagen oder Notausgängen müssen frei bleiben. Diese Einrichtungen müssen im Ernstfall sofort erreichbar sein.
Kabel und Schläuche sind typische Stolperquellen. Wenn sie quer über Verkehrswege gelegt werden, sollten sie nach Möglichkeit anders geführt, befestigt, abgedeckt oder aus dem Laufbereich entfernt werden.
Auch lose Teppiche, Matten oder Abdeckungen können gefährlich sein. Wenn sie verrutschen, hochstehen oder Falten werfen, entstehen Stolperkanten. Solche Stellen müssen beseitigt oder sicher befestigt werden.
Nasse oder verschmutzte Böden erhöhen die Rutschgefahr. Das betrifft zum Beispiel Eingangsbereiche bei Regen, Reinigungsarbeiten, Küchen, Sanitärräume, Werkstätten, Lager oder Produktionsbereiche mit Öl, Staub oder Flüssigkeiten.
Bei nassen Böden reicht ein Warnschild allein nicht immer aus. Die Ursache muss möglichst schnell beseitigt werden. Warnschilder sind nur eine ergänzende Maßnahme, solange die Gefahr noch besteht.
Auch beschädigte Böden sind ein Risiko. Löcher, Risse, hochstehende Kanten, abgesackte Bodenplatten oder lose Bodenbeläge können zu Stolperstellen werden und müssen repariert oder gesichert werden.
Treppen brauchen besondere Aufmerksamkeit. Viele Stürze passieren auf Treppen durch schlechte Beleuchtung, rutschige Stufen, fehlende Handläufe, abgestellte Gegenstände oder unklare Stufenkanten.
Verkehrswege müssen außerdem ausreichend beleuchtet sein. Hindernisse, Stufen, Kanten, Markierungen und andere Personen müssen zuverlässig erkannt werden können.
Bei innerbetrieblichem Verkehr ist die Trennung von Fußgängern und Fahrzeugen besonders wichtig. Wo Stapler, Hubwagen, Lkw oder andere Transportmittel fahren, sollten Laufwege klar erkennbar und möglichst getrennt geführt werden.
Wenn eine Trennung nicht möglich ist, müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen geprüft werden. Dazu gehören Markierungen, Spiegel, Warnzeichen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Einbahnregelungen, Absperrungen oder klare Vorfahrtsregeln.
Auch Türen und Durchgänge sind kritische Stellen. Wer mit Material, Hubwagen oder Rollwagen durch Türen fährt, kann andere Personen übersehen. Sichtfenster, Markierungen oder organisatorische Regeln können helfen.
Verkehrswege dürfen nicht durch geöffnete Schranktüren, abgestellte Reinigungswagen, Rollcontainer oder ausziehbare Schubladen eingeengt werden. Auch solche kurzfristigen Hindernisse können Unfälle verursachen.
Ordnung und Sauberkeit sind deshalb wichtige Arbeitsschutzmaßnahmen. Ein aufgeräumter Betrieb wirkt nicht nur professioneller, sondern reduziert ganz konkret Unfallrisiken.
Beschäftigte müssen wissen, dass Verkehrswege freizuhalten sind. Eine Unterweisung sollte nicht nur allgemein auf Ordnung hinweisen, sondern konkrete Beispiele aus dem eigenen Betrieb zeigen.
Dabei sollte klar geregelt werden, wo Material abgestellt werden darf und wo nicht. Wenn es keine festen Lagerplätze gibt, landen Gegenstände schnell auf Verkehrswegen.
Auch Führungskräfte müssen konsequent handeln. Wenn zugestellte Wege geduldet werden, wird daraus schnell Gewohnheit. Beschäftigte orientieren sich daran, was im Alltag wirklich akzeptiert wird.
Besonders wichtig ist ein klares Meldesystem. Wenn Beschäftigte beschädigte Böden, ausgelaufene Flüssigkeiten, defekte Beleuchtung oder Hindernisse bemerken, müssen sie wissen, wem sie das melden sollen.
Kleinere Gefahren sollten sofort beseitigt werden, wenn das gefahrlos möglich ist. Ein Karton im Weg, eine leere Palette oder eine verschüttete Flüssigkeit sollte nicht ignoriert werden.
Bei größeren Mängeln muss der Bereich abgesichert werden, bis die Gefahr beseitigt ist. Dazu können Absperrungen, Kennzeichnungen, Umleitungen oder Sperrungen gehören.
Auch Reinigungs- und Wartungsarbeiten müssen organisiert werden. Während der Reinigung können nasse Böden, Kabel, Maschinen oder Reinigungsgeräte neue Gefahren erzeugen. Deshalb sollten solche Arbeiten geplant und abgesichert werden.
Verkehrswege müssen regelmäßig kontrolliert werden. Begehungen, Checklisten und Sicherheitsrundgänge helfen, wiederkehrende Problemstellen zu erkennen.
Besonders nach Umbauten, Umzügen, neuen Maschinen, neuen Lagerflächen oder geänderten Arbeitsabläufen sollte geprüft werden, ob Verkehrswege noch sicher nutzbar sind.
Zusammengefasst gilt: Verkehrswege müssen frei gehalten werden, weil sie für sichere Bewegung, Transport, Flucht und Rettung unverzichtbar sind. Stolperstellen, Engstellen, Verschmutzungen und Hindernisse müssen konsequent vermieden oder sofort beseitigt werden.
Praxis-Tipp:
Machen Sie Verkehrswege bei einer Begehung bewusst zum eigenen Prüfthema: Sind Laufwege frei? Gibt es Kabel, Kartons, Paletten oder nasse Stellen? Sind Feuerlöscher, Verbandkasten und Notausgänge erreichbar? Genau diese einfachen Punkte verhindern viele Unfälle.
Was zählt im Betrieb als Verkehrsweg?
Verkehrswege sind alle Bereiche, die Beschäftigte oder andere Personen benutzen, um sich im Betrieb zu bewegen. Dazu gehören Flure, Türen, Treppen, Rampen, Lagergänge, Fahrwege, Zugänge zu Arbeitsplätzen, Pausenräume, Sanitärräume, Ausgänge und Fluchtwege.
Warum dürfen Verkehrswege nicht zugestellt werden?
Zugestellte Verkehrswege erhöhen das Risiko für Stolpern, Rutschen, Stürzen, Zusammenstöße und Verzögerungen im Notfall. Besonders gefährlich ist es, wenn Fluchtwege, Notausgänge, Feuerlöscher oder Erste-Hilfe-Einrichtungen blockiert werden.
Sind Kabel auf dem Boden erlaubt?
Kabel sollten möglichst nicht quer über Verkehrswege geführt werden. Wenn es nicht anders möglich ist, müssen sie sicher verlegt, befestigt oder abgedeckt werden, damit keine Stolperstelle entsteht.
Was tun bei nassen oder rutschigen Böden?
Nasse oder rutschige Böden sollten möglichst sofort gereinigt oder getrocknet werden. Bis die Gefahr beseitigt ist, sollte der Bereich deutlich gekennzeichnet oder abgesperrt werden. Die Ursache sollte ebenfalls geprüft werden.
Wer ist verantwortlich, Verkehrswege frei zu halten?
Der Arbeitgeber muss sichere Verkehrswege organisieren und geeignete Regeln festlegen. Beschäftigte müssen Verkehrswege bestimmungsgemäß nutzen, Hindernisse vermeiden und Mängel melden. Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass Regeln im Alltag eingehalten werden.
Wie oft sollten Verkehrswege kontrolliert werden?
Die Häufigkeit richtet sich nach Gefährdungsbeurteilung, Nutzung und Betriebsart. In stark genutzten Bereichen wie Lager, Versand, Werkstatt oder Produktion sind regelmäßige Sichtkontrollen besonders wichtig.
Welche Vorschriften und Informationen sind maßgeblich?
Die wichtigsten Grundlagen ergeben sich insbesondere aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der Gefährdungsbeurteilung, der ASR A1.8 – Verkehrswege, der ASR A1.5 – Fußböden, der ASR A2.3 – Fluchtwege und Notausgänge sowie Informationen von DGUV, BGHW, BGHM, BG ETEM und den Berufsgenossenschaften.
Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:
ASR A1.8 – Verkehrswege
https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/pdf/ASR-A1-8.pdf?__blob=publicationFile
ASR A1.5 – Fußböden
https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A1-5
ASR A1.5 – Fußböden PDF
https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/pdf/ASR-A1-5.pdf?__blob=publicationFile&v=7
DGUV – Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle: Verhaltensregeln
https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/stolperunfaelle/verhaltensregeln/index.jsp
DGUV – Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle: Organisatorische Maßnahmen
https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/stolperunfaelle/massnahmen/index.jsp
BGHW – Sturzunfälle vermeiden
https://www.bghw.de/was-sie-im-arbeitsschutz-beachten-muessen/sturzunfaelle
BG ETEM – Stolpern, Rutschen und Stürzen
https://www.bgetem.de/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/brancheninformationen1/energieversorgung/baeder/branchenspezifische-gefaehrdungen/stolpern-rutschen-und-stuerzen
Arbeitsstättenverordnung
https://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/
Passender Fachartikel
Die häufigsten Arbeitsunfälle im Betrieb vermeiden
https://safeherox.de/die-haeufigsten-arbeitsunfaelle-im-betrieb-und-wie-sie-vermieden-werden-koennen/
Passender Fachartikel
SRS-Unterweisung 2026: Stolpern, Rutschen, Stürzen – Inhalte, Beispiele und Praxistipps
https://safeherox.de/unterweisung-stolpern-rutschen-stuerzen-srs-inhalte-beispiele-und-praxistipps-2026/
Passende Datenbankfrage
Was ist eine Gefährdungsbeurteilung und warum ist sie so wichtig?
https://safeherox.de/frage/was-ist-eine-gefaehrdungsbeurteilung-und-warum-ist-sie-so-wichtig/
Passende Datenbankfrage
Warum müssen Beschäftigte regelmäßig im Arbeitsschutz unterwiesen werden?
https://safeherox.de/frage/warum-muessen-beschaeftigte-regelmaessig-im-arbeitsschutz-unterwiesen-werden/