← Zurück zur Wissensdatenbank

Hinweis

Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.

Stand: Juli 2026 Redaktionelle Hinweise
Elektrosicherheit

Warum sind Mehrfachsteckdosen im Betrieb ein Sicherheitsrisiko?

4 Min. Lesezeit · SafeHeroX Wissensdatenbank

Auf einen Blick

Mehrfachsteckdosen gehören zu den am häufigsten verwendeten elektrischen Betriebsmitteln – gleichzeitig zählen sie aber auch zu den häufigsten Ursachen für elektrische Überlastungen und Brände. Werden sie falsch verwendet, überlastet oder beschädigt, können Kurzschlüsse, Kabelbrände oder lebensgefährliche Stromschläge entstehen. Arbeitgeber sind deshalb verpflichtet, auch Mehrfachsteckdosen regelmäßig zu prüfen und Beschäftigte über den sicheren Umgang zu unterweisen.

In nahezu jedem Unternehmen kommen Mehrfachsteckdosen zum Einsatz. Ob im Büro, in der Werkstatt, im Lager oder im Homeoffice – häufig reichen die vorhandenen Steckdosen nicht aus, sodass zusätzliche Steckdosenleisten verwendet werden. Grundsätzlich ist das erlaubt. Gefährlich wird es jedoch dann, wenn Mehrfachsteckdosen dauerhaft überlastet, unsachgemäß genutzt oder sogar hintereinander gesteckt werden.

Ein häufiger Fehler ist das sogenannte „Kaskadieren“. Dabei wird eine Mehrfachsteckdose in eine weitere Mehrfachsteckdose eingesteckt. Auf den ersten Blick scheint dies eine einfache Lösung zu sein, tatsächlich erhöht sich dadurch jedoch das Risiko einer Überlastung erheblich. Je mehr leistungsstarke Geräte gleichzeitig betrieben werden, desto stärker erwärmen sich Leitungen und Steckverbindungen. Im schlimmsten Fall können Kunststoffgehäuse schmelzen oder Brände entstehen.

Besonders kritisch wird es bei Geräten mit hoher Leistungsaufnahme. Wasserkocher, Heizlüfter, Kaffeemaschinen, Mikrowellen, Klimageräte oder elektrische Heizungen benötigen oft mehrere tausend Watt Leistung. Werden mehrere dieser Geräte gleichzeitig an einer Steckdosenleiste betrieben, kann die zulässige Belastung schnell überschritten werden. Viele handelsübliche Mehrfachsteckdosen sind lediglich für 3.680 Watt ausgelegt. Diese Grenze wird im Alltag häufig unbewusst überschritten.

Auch mechanische Beschädigungen stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Gequetschte Leitungen unter Schreibtischen, abgeknickte Kabel oder beschädigte Stecker beeinträchtigen die elektrische Sicherheit erheblich. Bereits kleine Beschädigungen der Isolierung können zu Stromschlägen oder Kurzschlüssen führen. Deshalb sollten Mehrfachsteckdosen regelmäßig auf ihren Zustand überprüft werden.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Steckdosenleisten häufig dauerhaft unter Möbeln oder hinter Schränken liegen. Dadurch bleiben Beschädigungen lange unbemerkt und Wärme kann sich schlechter ableiten. Gleichzeitig erschwert dies eine schnelle Abschaltung im Notfall. Mehrfachsteckdosen sollten deshalb jederzeit gut zugänglich und regelmäßig kontrollierbar sein.

Auch Staub und Feuchtigkeit beeinflussen die Sicherheit. In Werkstätten oder Produktionsbereichen können sich Staubablagerungen im Laufe der Zeit in Steckdosenleisten ansammeln. Feuchtigkeit oder leitfähige Stäube erhöhen zusätzlich das Risiko von Kurzschlüssen. Für solche Einsatzbereiche stehen spezielle spritzwassergeschützte oder besonders robuste Steckdosenleisten zur Verfügung.

Arbeitgeber sind verpflichtet, Mehrfachsteckdosen in die regelmäßigen Prüfungen elektrischer Betriebsmittel einzubeziehen. Neben einer Sichtprüfung werden dabei auch elektrische Messungen durchgeführt. Beschädigte oder überalterte Steckdosenleisten müssen unverzüglich ersetzt werden. Eigenständige Reparaturen durch unqualifizierte Personen sind unzulässig.

Beschäftigte können ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Elektrosicherheit leisten. Vor jeder Benutzung sollte kurz überprüft werden, ob Leitungen beschädigt sind, Stecker fest sitzen oder ungewöhnliche Erwärmungen auftreten. Riecht eine Steckdosenleiste verschmort oder verfärbt sich das Gehäuse, muss sie sofort außer Betrieb genommen werden.

Gerade in Büros wird außerdem häufig unterschätzt, dass Ladegeräte, Monitore, Dockingstationen, Drucker und weitere Geräte dauerhaft an derselben Steckdosenleiste angeschlossen sind. Obwohl einzelne Geräte nur wenig Leistung aufnehmen, kann sich die Gesamtbelastung im Laufe der Zeit erheblich erhöhen. Deshalb sollte regelmäßig geprüft werden, welche Geräte tatsächlich dauerhaft angeschlossen sein müssen.

Ein sicherer Umgang mit Mehrfachsteckdosen beginnt bereits bei der Beschaffung. Hochwertige Steckdosenleisten verfügen über einen erhöhten Berührungsschutz, einen integrierten Überlastschutz und erfüllen die geltenden Sicherheitsnormen. Billige oder beschädigte Produkte stellen dagegen ein unnötiges Sicherheitsrisiko dar.

Praxis-Tipp: Stecken Sie niemals eine Mehrfachsteckdose in eine weitere Mehrfachsteckdose. Verwenden Sie ausschließlich qualitativ hochwertige Steckdosenleisten mit Überlastschutz und kontrollieren Sie diese regelmäßig auf Beschädigungen, Erwärmungen oder lose Steckverbindungen. Bereits kleine Mängel können zu gefährlichen Stromunfällen oder Bränden führen.

Was sollte nicht an einer Mehrfachsteckdose betrieben werden?

Leistungsstarke Geräte wie Heizlüfter, mobile Klimageräte, Wasserkocher, Mikrowellen oder größere Kaffeemaschinen sollten möglichst direkt an einer fest installierten Wandsteckdose betrieben werden. Werden mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig über eine Steckdosenleiste genutzt, besteht die Gefahr einer Überlastung und damit eines erhöhten Brandrisikos.

Welche Vorschriften sind maßgeblich?

Die rechtlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sowie der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (PDF).

Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:

DGUV Information 203-071 – Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel (PDF)
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/1378

TRBS 1201 – Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBS/TRBS-1201.html

DGUV Grundsatz 303-003 – Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel (PDF)
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3956