Hinweis
Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.
Was bedeuten die Gefahrstoffsymbole auf Verpackungen?
Auf einen Blick
Gefahrstoffsymbole informieren auf einen Blick über die wichtigsten Gefahren eines Stoffes oder Gemisches. Die roten Rauten mit schwarzem Symbol sind europaweit einheitlich geregelt und helfen dabei, Gesundheits-, Brand-, Explosions- oder Umweltgefahren schnell zu erkennen. Wer die Bedeutung der Gefahrstoffsymbole kennt, kann geeignete Schutzmaßnahmen rechtzeitig ergreifen und Arbeitsunfälle vermeiden.
Fast jeder Beschäftigte kommt im Berufsalltag mit gekennzeichneten Gefahrstoffen in Berührung. Reinigungsmittel, Farben, Lacke, Lösungsmittel, Klebstoffe, Öle oder Desinfektionsmittel tragen häufig auffällige Warnsymbole auf der Verpackung. Trotzdem werden diese Kennzeichnungen oft nur oberflächlich wahrgenommen oder falsch interpretiert.
Die heutigen Gefahrstoffsymbole basieren auf dem weltweit harmonisierten Kennzeichnungssystem GHS (Globally Harmonized System) und der europäischen CLP-Verordnung. Ziel ist es, Gefahren unabhängig von Sprache oder Herkunft schnell erkennbar zu machen. Alle Symbole bestehen aus einer schwarzen Grafik auf weißem Hintergrund mit einem roten Rahmen in Form einer Raute.
Besonders bekannt ist das Symbol „Flamme“. Es kennzeichnet leicht entzündbare Stoffe und Gemische. Dazu gehören beispielsweise viele Lösungsmittel, Lacke, Sprays oder Kraftstoffe. Bereits Funken, offene Flammen oder heiße Oberflächen können ausreichen, um solche Stoffe zu entzünden. Deshalb müssen sie von Zündquellen ferngehalten und häufig in speziellen Sicherheitsschränken gelagert werden.
Das Symbol „Totenkopf mit gekreuzten Knochen“ weist auf akut giftige Stoffe hin. Schon geringe Mengen können beim Einatmen, Verschlucken oder Hautkontakt schwere Vergiftungen verursachen. Arbeiten mit solchen Stoffen erfordern besonders strenge Schutzmaßnahmen und häufig zusätzliche persönliche Schutzausrüstung.
Das Piktogramm „Ätzwirkung“ zeigt zwei Reagenzgläser, deren Inhalt eine Hand und ein Metallstück angreift. Es warnt vor Stoffen, die schwere Hautverätzungen oder Augenschäden verursachen können. Typische Beispiele sind konzentrierte Säuren oder Laugen. Bereits kleine Spritzer können zu schweren Verletzungen führen.
Das Symbol „Gesundheitsgefahr“ mit der menschlichen Silhouette gehört zu den wichtigsten Kennzeichnungen. Es weist unter anderem auf Stoffe hin, die Krebs erzeugen, das Erbgut verändern oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Auch Stoffe, die langfristige Organschäden verursachen oder beim Einatmen besonders gefährlich sind, tragen dieses Symbol.
Das Ausrufezeichen kennzeichnet Stoffe, die reizend oder gesundheitsschädlich sind. Dazu gehören viele Reinigungsmittel oder Lösungsmittel. Sie können Hautreizungen, Augenreizungen, allergische Hautreaktionen oder Schläfrigkeit verursachen. Obwohl dieses Symbol häufig vorkommt, sollten entsprechende Stoffe niemals unterschätzt werden.
Mit dem Symbol „Explodierende Bombe“ werden explosionsgefährliche Stoffe gekennzeichnet. Bereits geringe mechanische Belastungen, Hitze oder Funken können hier zu einer Explosion führen. Solche Stoffe dürfen nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen gelagert und verwendet werden.
Das Symbol „Flamme über einem Kreis“ weist auf oxidierende Stoffe hin. Diese Stoffe sind selbst nicht brennbar, können Brände jedoch erheblich verstärken, indem sie Sauerstoff freisetzen. Deshalb dürfen sie nicht zusammen mit brennbaren Stoffen gelagert werden.
Das Symbol „Gasflasche“ kennzeichnet Gase unter Druck. Druckgasbehälter können sich bei Erwärmung stark ausdehnen oder bersten. Einige tiefkalte Gase können zusätzlich schwere Kälteverbrennungen verursachen.
Das Symbol „Umwelt“ mit dem abgestorbenen Baum und Fisch weist auf Stoffe hin, die Gewässer oder andere Umweltbereiche gefährden können. Solche Stoffe dürfen niemals unkontrolliert in die Kanalisation oder die Umwelt gelangen.
Gefahrstoffsymbole allein reichen jedoch nicht aus. Ergänzend enthalten Etiketten Signalwörter wie „Gefahr“ oder „Achtung“, Gefahrenhinweise (H-Sätze) sowie Sicherheitshinweise (P-Sätze). Zusammen liefern sie wichtige Informationen für den sicheren Umgang mit dem jeweiligen Stoff.
Beschäftigte sollten sich niemals ausschließlich auf das Symbol verlassen, sondern vor der Verwendung zusätzlich die Betriebsanweisung und – falls erforderlich – das Sicherheitsdatenblatt beachten. Nur so lassen sich alle erforderlichen Schutzmaßnahmen zuverlässig umsetzen.
Praxis-Tipp: Nehmen Sie sich vor der ersten Verwendung eines Gefahrstoffs wenige Sekunden Zeit, um das Etikett vollständig zu lesen. Gefahrensymbole, Signalwort sowie H- und P-Sätze liefern wichtige Informationen, die Unfälle und Gesundheitsgefahren verhindern können.
Warum haben manche Gefahrstoffe mehrere Gefahrensymbole?
Ein Stoff kann gleichzeitig verschiedene gefährliche Eigenschaften besitzen. Ein Lösungsmittel kann beispielsweise leicht entzündlich sein, die Haut reizen und gleichzeitig gesundheitsschädliche Dämpfe freisetzen. In diesem Fall werden mehrere GHS-Piktogramme auf dem Etikett dargestellt.
Welche Vorschriften sind maßgeblich?
Die rechtlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008, der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).
Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:
CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32008R1272
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
https://www.gesetze-im-internet.de/gefstoffv/
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/
BAuA – Gefahrstoffkennzeichnung nach GHS und CLP
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/Kennzeichnung/Kennzeichnung_node.html
DGUV Information 213-032 – Gefahrstoffe im Betrieb (PDF)
https://publikationen.dguv.de/