Hinweis
Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.
Wie lädt und lagert man Lithium-Ionen-Akkus im Betrieb sicher?
Auf einen Blick
Lithium-Ionen-Akkus müssen im Betrieb so geladen, gelagert und kontrolliert werden, dass Brandgefahren, Überhitzung, mechanische Beschädigung und Fehlbedienung möglichst vermieden werden. Wichtig sind geeignete Ladegeräte, nicht brennbare Ladebereiche, Abstand zu Brandlasten, Schutz vor Hitze und Frost, Sichtkontrollen, klare Regeln für beschädigte Akkus und eine passende Gefährdungsbeurteilung. Defekte oder aufgeblähte Akkus dürfen nicht weiterverwendet werden.
Lithium-Ionen-Akkus sind heute in vielen Betrieben selbstverständlich. Sie stecken in Akkuschraubern, Winkelschleifern, Messgeräten, Laptops, Smartphones, Scannern, Reinigungsmaschinen, E-Bikes, Flurförderzeugen, Gartengeräten, Kameras, Notstromsystemen oder Werkzeugakkus.
Der Vorteil ist klar: Die Geräte sind flexibel, leistungsstark und mobil. Gleichzeitig bringen Lithium-Ionen-Akkus besondere Brandrisiken mit, wenn sie beschädigt, falsch geladen, falsch gelagert oder ungeeignet verwendet werden.
Das größte Risiko entsteht durch Überhitzung, Kurzschluss, mechanische Beschädigung oder innere Zellfehler. Im schlimmsten Fall kann es zu einem sogenannten thermischen Durchgehen kommen. Dabei erhitzt sich der Akku stark, es entstehen Rauch, Flammen oder explosionsartige Reaktionen.
Deshalb sollten Lithium-Ionen-Akkus im Betrieb nicht wie normale Kleinteile behandelt werden. Je mehr Akkus vorhanden sind, desto wichtiger werden klare Regeln für Laden, Lagerung, Kontrolle und Notfallverhalten.
Besonders kritisch ist das Laden. Viele Brände entstehen nicht während der normalen Nutzung, sondern beim Laden oder kurz danach. Deshalb sollte das Laden nicht irgendwo im Betrieb stattfinden.
Akkus sollten nur mit Ladegeräten geladen werden, die vom Hersteller vorgesehen oder zugelassen sind. Billige, beschädigte oder nicht passende Ladegeräte können zu Überladung, falscher Spannung oder Überhitzung führen.
Auch Ladekabel und Netzteile müssen in Ordnung sein. Beschädigte Kabel, lose Kontakte, verschmorte Stecker oder ungewöhnliche Wärmeentwicklung sind Warnzeichen.
Der Ladebereich sollte geeignet sein. Akkus sollten nicht auf Papierstapeln, Holzregalen, Kartons, Textilien oder anderen brennbaren Materialien geladen werden.
Besser sind nicht brennbare Unterlagen, ausreichend Abstand zu Brandlasten und ein Bereich, der gut kontrollierbar ist. Besonders bei vielen Akkus können spezielle Ladeschränke oder Sicherheitsschränke sinnvoll sein.
Akkus sollten beim Laden nicht abgedeckt werden. Wärme muss abgeführt werden können. Wenn Ladegeräte oder Akkus unter Jacken, Kartons, Werkzeugtaschen oder Papier liegen, kann sich Wärme stauen.
Auch Mehrfachsteckdosen sind ein Thema. Viele Ladegeräte an einer ungeeigneten Steckdosenleiste können Überlastungen begünstigen. Ladeplätze sollten elektrisch sicher geplant werden.
Wichtig ist außerdem die Umgebungstemperatur. Lithium-Ionen-Akkus sollten nicht bei extremer Hitze, direkter Sonneneinstrahlung oder Frost gelagert und geladen werden.
Ein Akku, der im Winter in einem kalten Fahrzeug lag, sollte nicht sofort im eiskalten Zustand geladen werden. Er sollte erst auf geeignete Temperatur kommen.
Ebenso problematisch ist ein Akku, der im Sommer in einem heißen Fahrzeug oder in direkter Sonne lag. Hohe Temperaturen können Alterung, Zellschäden und Brandrisiken erhöhen.
Auch mechanische Beschädigungen sind gefährlich. Akkus, die heruntergefallen, gequetscht, verformt, durchbohrt oder stark erschüttert wurden, müssen geprüft und gegebenenfalls aus dem Verkehr gezogen werden.
Warnzeichen sind aufgeblähte Gehäuse, Risse, Verformungen, ungewöhnlicher Geruch, austretende Flüssigkeit, ungewöhnliche Hitze, Rauch, Funken, Geräusche, Ladeprobleme oder stark verkürzte Laufzeit.
Solche Akkus dürfen nicht einfach wieder in den Werkzeugkoffer gelegt werden. Sie sollten getrennt, sicher und brandschutztechnisch sinnvoll aufbewahrt werden, bis über Entsorgung oder Prüfung entschieden ist.
Defekte Akkus gehören nicht in normale Regale, Schubladen oder Sammelboxen mit anderen Akkus. Sie können eine deutlich erhöhte Brandgefahr darstellen.
Für beschädigte Akkus sollte es im Betrieb eine klare Quarantäne-Regel geben: Wer nimmt den Akku an? Wo wird er abgelegt? Wie wird er gekennzeichnet? Wer entscheidet über Entsorgung?
Auch die Lagerung von unbeschädigten Akkus sollte organisiert sein. Akkus sollten trocken, kühl, frostfrei, vor Wärmequellen geschützt und nicht in der Nähe brennbarer Materialien gelagert werden.
Akkus sollten außerdem vor Kurzschluss geschützt werden. Lose Akkus sollten nicht zusammen mit Schrauben, Metallteilen, Werkzeugen oder anderen leitfähigen Gegenständen gelagert werden.
Kontakte können geschützt werden, zum Beispiel durch Originalverpackungen, Schutzkappen, geeignete Einsätze oder getrennte Aufbewahrung.
Auch Ordnung ist wichtig. In vielen Betrieben liegen Akkus verteilt auf Werkbänken, in Fahrzeugen, Schubladen, Baustellencontainern oder Pausenräumen. Dadurch verliert man schnell den Überblick.
Ein fester Lade- und Lagerplatz hilft, Risiken zu reduzieren. Dort kann auch sichtbar geregelt werden, welche Akkus geladen werden dürfen und was bei Schäden zu tun ist.
Akkus sollten nicht dauerhaft unbeaufsichtigt in ungeeigneten Bereichen geladen werden. Besonders kritisch ist das Laden über Nacht, wenn niemand einen beginnenden Schaden bemerkt.
Wenn Laden außerhalb der Arbeitszeit erforderlich ist, sollte der Ladebereich entsprechend sicher gestaltet sein. Dazu können geeignete Schränke, Brandfrüherkennung, Abstand, nicht brennbare Umgebung und klare organisatorische Regeln gehören.
Auch die Menge spielt eine Rolle. Ein einzelner kleiner Werkzeugakku ist anders zu bewerten als viele Akkus in einer Werkstatt, einem Fuhrpark, einem Fahrradraum oder einem Lager.
Je höher die Anzahl und Energiekapazität der Akkus, desto wichtiger wird ein Brandschutzkonzept. Dazu gehören Lagerort, Brandabschnitte, Löschmittel, Detektion, Abstände, Zugänglichkeit und Notfallorganisation.
Besonders E-Bike-Akkus, größere Geräteakkus und Akkus von Reinigungsmaschinen können relevant sein, weil sie mehr Energie enthalten als kleine Handgeräteakkus.
Auch Akkus in Fahrzeugen oder Flurförderzeugen sollten nicht vergessen werden. Ladebereiche für elektrische Flurförderzeuge, E-Bikes oder Maschinen müssen entsprechend bewertet werden.
Ein häufiger Fehler ist, defekte Akkus „erst einmal irgendwo hinzulegen“. Genau das kann gefährlich sein. Wenn ein Akku beschädigt ist, sollte sofort klar sein, wie er sicher behandelt wird.
Ein weiterer Fehler ist, Akkus in heißen Fahrzeugen zu lagern. Gerade Handwerker, Außendienst, Baustellen und Servicefahrzeuge sollten prüfen, wie Akkus transportiert und gelagert werden.
Für Transport und mobile Nutzung sollten Akkus gegen Stöße, Verrutschen, Feuchtigkeit und Kurzschluss geschützt werden.
Auch bei Werkzeugkoffern ist Vorsicht sinnvoll. Wenn Akkus lose in Koffern liegen, können Kontakte beschädigt oder Kurzschlüsse begünstigt werden.
Beschäftigte müssen unterwiesen werden. Sie sollten wissen, wie Akkus korrekt geladen werden, welche Ladegeräte erlaubt sind, welche Warnzeichen gefährlich sind und was bei beschädigten Akkus zu tun ist.
Die Unterweisung sollte sehr praktisch sein. Gute Fragen sind: Wo wird geladen? Was darf dort nicht liegen? Welche Ladegeräte sind erlaubt? Was passiert mit einem heruntergefallenen Akku? Wer wird informiert?
Auch Reinigung und Kontrolle gehören dazu. Ladebereiche sollten frei von Staub, Papier, Verpackungsmaterial und unnötigen Brandlasten gehalten werden.
Feuerlöscher allein lösen das Problem nicht. Lithium-Ionen-Akkus können schwer zu löschen sein und sich erneut entzünden. Deshalb sind Vorbeugung, frühes Erkennen und sichere Lagerung besonders wichtig.
Im Notfall gilt: Beschäftigte sollten sich nicht unnötig gefährden. Wenn ein Akku raucht, zischt, stark heiß wird oder brennt, müssen Personen geschützt, der Bereich geräumt und die Feuerwehr alarmiert werden.
Eigene Löschversuche sind nur sinnvoll, wenn sie gefahrlos möglich sind und Beschäftigte entsprechend unterwiesen wurden. Rauchgase können gefährlich sein.
Auch die Entsorgung muss geregelt sein. Lithium-Ionen-Akkus gehören nicht in den normalen Müll. Sie müssen fachgerecht entsorgt oder zurückgegeben werden.
Beschädigte Akkus brauchen besondere Entsorgungswege. Sie sollten nicht mit normalen Altbatterien vermischt werden, wenn dadurch Brandgefahren entstehen können.
Die Gefährdungsbeurteilung sollte klären, welche Akkus im Betrieb vorhanden sind, wo sie genutzt werden, wo sie geladen werden, welche Mengen vorhanden sind und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind.
Wichtig ist auch die Schnittstelle zum Brandschutz. Wenn viele Akkus vorhanden sind, sollte der Brandschutzbeauftragte oder eine fachkundige Person eingebunden werden.
Zusammengefasst gilt: Lithium-Ionen-Akkus sind nützlich, aber nicht risikofrei. Wer Ladeplätze ordentlich plant, beschädigte Akkus konsequent aussondert, Original-Ladegeräte nutzt und Beschäftigte unterweist, reduziert Brand- und Unfallrisiken deutlich.
Praxis-Tipp:
Richten Sie im Betrieb einen festen Akku-Ladeplatz ein: nicht brennbare Umgebung, keine Papier- oder Kartonlagerung daneben, nur zugelassene Ladegeräte, klare Kennzeichnung und eine sichtbare Regel für beschädigte Akkus. Das verhindert viele typische Fehler.
Wo sollten Lithium-Ionen-Akkus im Betrieb geladen werden?
Akkus sollten an einem festen, geeigneten Ladeplatz geladen werden. Der Bereich sollte nicht brennbar, gut kontrollierbar, frei von unnötigen Brandlasten und elektrisch sicher sein. Bei vielen oder größeren Akkus können spezielle Ladeschränke sinnvoll sein.
Darf man Akkus über Nacht laden?
Das sollte kritisch geprüft werden. Unbeaufsichtigtes Laden außerhalb der Arbeitszeit ist riskanter, weil Überhitzung, Rauch oder Brand später erkannt werden. Wenn über Nacht geladen wird, muss der Ladebereich besonders sicher organisiert sein.
Welche Ladegeräte dürfen verwendet werden?
Es sollten nur Ladegeräte verwendet werden, die vom Hersteller vorgesehen oder zugelassen sind. Beschädigte, ungeeignete oder billige Ersatzladegeräte können gefährlich sein.
Was tun mit beschädigten Akkus?
Beschädigte, aufgeblähte, heiße, riechende, verformte oder ausgelaufene Akkus dürfen nicht weiterverwendet werden. Sie sollten sicher getrennt, gekennzeichnet und fachgerecht entsorgt oder geprüft werden.
Wo sollten Akkus gelagert werden?
Akkus sollten trocken, kühl, frostfrei, vor direkter Sonneneinstrahlung, Hitzequellen und mechanischer Beschädigung geschützt gelagert werden. Brennbare Materialien sollten nicht direkt daneben gelagert werden.
Sind Lithium-Ionen-Akkus Gefahrstoffe?
Der Umgang mit Akkus ist nicht automatisch wie der Umgang mit offenen Gefahrstoffen zu bewerten. Trotzdem können bei Beschädigung, Brand oder unsachgemäßer Nutzung erhebliche Gefahren entstehen. Deshalb müssen Lagerung, Laden, Transport und Entsorgung in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Welche Vorschriften und Informationen sind maßgeblich?
Wichtig sind insbesondere das Arbeitsschutzgesetz, die Gefährdungsbeurteilung, betrieblicher Brandschutz, elektrische Sicherheit, Herstellerangaben, Entsorgungsregeln sowie Informationen von DGUV, BG ETEM, BGN, VBG, BG BAU und weiteren Unfallversicherungsträgern.
Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:
DGUV – Hinweise zum betrieblichen Brandschutz bei der Lagerung und Verwendung von Lithium-Ionen-Akkus
https://publikationen.dguv.de/regelwerk/publikationen-nach-fachbereich/feuerwehren-hilfeleistungen-brandschutz/betrieblicher-brandschutz/3863/fbfhb-018-hinweise-zum-betrieblichen-brandschutz-bei-der-lagerung-und-verwendung-von-lithium-ionen
DGUV – Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4668
BG ETEM – Lithium-Ionen-Batterien
https://www.bgetem.de/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/themen-von-a-z-1/gefaehrdungen-durch-arbeitsstoffe/brand-und-explosionsschutz/lithium-ionen-batterien
BGN Akzente – Lithium-Ionen-Akkus sicher nutzen und laden
https://bgn-akzente.de/arbeitssicherheit/lithium-ionen-akkus-sicher-nutzen-und-laden
VBG – Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus für mobile Arbeitsmittel
https://www.vbg.de/cms/_Resources/Persistent/f/d/8/f/fd8ff91a10b41334a3280d6cb3d06bddfec7ef24/fi_lithium_ionen_akkus.pdf
BG BAU – Transport und Lagerung von Lithiumbatterien
https://bauportal.bgbau.de/bauportal-42024/branchenuebergreifend/transport-und-lagerung-von-lithiumbatterien
Arbeitsschutzgesetz – § 5 Gefährdungsbeurteilung
https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__5.html
Passender Fachartikel
Gefährdungsbeurteilung: Vorlagen, Tipps & Software
https://safeherox.de/gefaehrdungsbeurteilung/
Passende Datenbankfrage
Wann ist ein Feuerlöscher im Betrieb vorgeschrieben?
https://safeherox.de/frage/wann-ist-ein-feuerloescher-im-betrieb-vorgeschrieben/