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Hinweis

Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.

Stand: Juli 2026 Redaktionelle Hinweise
Ergonomie

Was ist die REBA-Methode und wofür wird sie im Arbeitsschutz eingesetzt?

4 Min. Lesezeit · SafeHeroX Wissensdatenbank

Auf einen Blick

Die REBA-Methode (Rapid Entire Body Assessment) ist ein ergonomisches Bewertungsverfahren zur Analyse von Körperhaltungen am Arbeitsplatz. Sie dient dazu, das Risiko von Muskel-Skelett-Erkrankungen systematisch zu bewerten und notwendige ergonomische Verbesserungen abzuleiten. Besonders geeignet ist sie für Tätigkeiten mit wechselnden Körperhaltungen, Heben, Tragen oder Arbeiten in Zwangshaltungen.

Nicht jede körperliche Belastung lässt sich allein anhand des Lastgewichts beurteilen. Häufig entstehen gesundheitliche Beschwerden durch ungünstige Körperhaltungen, verdrehte Gelenke oder dauerhaftes Arbeiten in gebückter Haltung. Genau diese Belastungen bewertet die REBA-Methode.

REBA wurde Ende der 1990er Jahre speziell für Arbeitsplätze entwickelt, an denen Beschäftigte häufig ihre Körperhaltung verändern. Heute wird das Verfahren weltweit in Industrie, Pflege, Handwerk, Logistik, Landwirtschaft und Gesundheitswesen eingesetzt.

Der große Vorteil der REBA-Methode besteht darin, dass der gesamte Körper gleichzeitig bewertet wird. Anders als Verfahren, die sich hauptsächlich auf Rücken oder Lastgewichte konzentrieren, betrachtet REBA nahezu alle wichtigen Körperbereiche.

Bewertet werden unter anderem Hals, Rumpf, Beine, Oberarme, Unterarme und Handgelenke. Zusätzlich fließen Lasten, Griffbedingungen sowie die Art der Muskelbeanspruchung in die Gesamtbewertung ein.

Die Analyse beginnt mit der Beobachtung einer konkreten Arbeitssituation. Dabei wird die ungünstigste oder am häufigsten vorkommende Körperhaltung ausgewählt. Anschließend werden die einzelnen Gelenkwinkel nach einem festgelegten Bewertungssystem eingestuft.

Je stärker beispielsweise der Rücken nach vorne geneigt oder verdreht ist, desto höher fällt die Bewertung aus. Gleiches gilt für angehobene Schultern, stark abgeknickte Handgelenke oder instabile Beinpositionen.

Neben der Körperhaltung berücksichtigt REBA auch äußere Belastungen. Dazu gehören das Gewicht der Last, plötzlich auftretende Kraftspitzen oder ungünstige Griffmöglichkeiten. Auch statische Haltearbeit erhöht die Risikobewertung.

Aus allen Einzelbewertungen ergibt sich schließlich ein REBA-Score. Dieser ordnet den Arbeitsplatz einer bestimmten Risikostufe zu. Je höher der Wert, desto dringender sind ergonomische Verbesserungsmaßnahmen erforderlich.

Ein niedriger REBA-Wert bedeutet, dass nur geringe ergonomische Risiken bestehen. Mittlere Werte weisen auf Verbesserungsbedarf hin. Hohe Bewertungen machen häufig sofortige technische oder organisatorische Maßnahmen erforderlich.

Besonders häufig wird REBA bei Tätigkeiten eingesetzt, die sich nur schwer mit klassischen Lastenbewertungen beurteilen lassen. Dazu gehören Pflegearbeiten, Montagearbeiten, Wartungstätigkeiten, Arbeiten unter Fahrzeugen oder Tätigkeiten in engen Arbeitsbereichen.

Ein typisches Beispiel ist die Fahrzeugwartung. Obwohl häufig nur geringe Lasten bewegt werden, arbeiten Beschäftigte oft über längere Zeit mit verdrehtem Rücken, angehobenen Armen oder kniender Körperhaltung. Die eigentliche Belastung entsteht hier weniger durch das Gewicht als durch die ungünstige Körperhaltung.

Auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen spielt REBA eine wichtige Rolle. Das Umlagern oder Unterstützen von Patienten führt häufig zu komplexen Körperhaltungen, die mit anderen Bewertungsverfahren nur schwer erfasst werden können.

Die Ergebnisse der REBA-Analyse bilden die Grundlage für ergonomische Verbesserungen. Dazu gehören beispielsweise höhenverstellbare Arbeitsplätze, Hebehilfen, neue Werkzeuganordnungen, geänderte Arbeitsabläufe oder zusätzliche technische Hilfsmittel.

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur einzelne Körperbereiche zu betrachten. Rückenbeschwerden entstehen häufig durch das Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Gelenkstellungen. Genau deshalb bewertet REBA den gesamten Körper gleichzeitig.

Die Methode eignet sich außerdem hervorragend zur Erfolgskontrolle. Nach einer ergonomischen Umgestaltung kann der Arbeitsplatz erneut bewertet werden. Sinkt der REBA-Score, lässt sich der Erfolg der Maßnahmen objektiv nachweisen.

In Deutschland wird REBA häufig gemeinsam mit den Leitmerkmalmethoden der BAuA, der RULA-Methode oder anderen ergonomischen Analyseverfahren eingesetzt. Welche Methode geeignet ist, hängt von der jeweiligen Tätigkeit und den Belastungsarten ab.

Für Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Ergonomieberater und Unternehmen bietet REBA eine wissenschaftlich anerkannte Möglichkeit, körperliche Belastungen nachvollziehbar zu dokumentieren und gezielt zu reduzieren.

Praxis-Tipp:

Analysieren Sie bei der REBA-Bewertung immer die ungünstigste regelmäßig auftretende Körperhaltung – nicht die angenehmste. Gerade kurzzeitig auftretende Zwangshaltungen verursachen häufig die höchsten gesundheitlichen Belastungen.

Worin unterscheidet sich REBA von der RULA-Methode?

Die REBA-Methode bewertet den gesamten Körper, einschließlich Beine und Lasten. Die RULA-Methode (Rapid Upper Limb Assessment) konzentriert sich dagegen hauptsächlich auf Belastungen von Nacken, Schultern, Armen und Handgelenken und wird häufig bei Bildschirm- oder Feinmontagearbeiten eingesetzt.

Welche Vorschriften sind maßgeblich?

Die rechtlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV), der DIN EN ISO 6385 – Ergonomische Grundlagen für die Gestaltung von Arbeitssystemen, den Leitmerkmalmethoden der BAuA sowie der DGUV Information 208-033 – Belastungen für den Rücken erkennen und vermeiden.

Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:

BAuA – Ergonomie und physische Belastungen
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Physische-Belastung/Physische-Belastung_node.html

Leitmerkmalmethoden der BAuA
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung/Physische-Belastung/Leitmerkmalmethoden/Leitmerkmalmethoden_node.html

Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV)
https://www.gesetze-im-internet.de/lasthandhabv/

DGUV Information 208-033 – Belastungen für den Rücken erkennen und vermeiden
https://publikationen.dguv.de/

DIN EN ISO 6385 – Ergonomische Grundlagen
https://www.beuth.de/