Hinweis
Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.
Hitze im Büro: Was hilft bei warmen Arbeitsräumen wirklich?
Auf einen Blick
Hitze im Büro kann Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen. Arbeitgeber müssen deshalb prüfen, welche Maßnahmen bei warmen Arbeitsräumen sinnvoll und erforderlich sind. Besonders wichtig sind Sonnenschutz, richtiges Lüften, reduzierte Wärmequellen, Luftbewegung, ausreichend Getränke und eine angepasste Arbeitsorganisation.
Warme Arbeitsräume entstehen häufig durch direkte Sonneneinstrahlung, große Fensterflächen, aufgeheizte Gebäude, viele technische Geräte oder eine schlechte Luftzirkulation. Besonders in Dachgeschossbüros, kleinen Räumen oder schlecht verschatteten Arbeitsbereichen kann die Temperatur im Sommer schnell unangenehm werden.
Ein zentraler Grundsatz im Arbeitsschutz lautet: Belastungen sollen möglichst an der Ursache reduziert werden. Deshalb sollte bei Hitze im Büro zuerst geprüft werden, wie sich das Aufheizen des Raumes vermeiden oder zumindest verringern lässt.
Besonders wirksam ist ein guter Sonnenschutz. Außenliegende Jalousien, Rollos, Markisen oder andere Sonnenschutzsysteme verhindern, dass sich Räume durch direkte Sonneneinstrahlung stark aufheizen. Auch innenliegende Beschattung kann helfen, ist aber meist weniger wirksam als ein Schutz vor dem Fenster.
Auch das richtige Lüften ist wichtig. An heißen Tagen sollte möglichst früh morgens gelüftet werden, solange die Außenluft noch kühler ist. Später am Tag kann dauerhaftes Lüften dagegen dazu führen, dass warme Luft in den Raum gelangt und sich das Büro zusätzlich aufheizt.
Wärmequellen im Büro sollten soweit möglich reduziert werden. Dazu gehören nicht benötigte Monitore, Drucker, Ladegeräte, Beleuchtung oder andere elektrische Geräte. Auch wenn einzelne Geräte nur wenig Wärme abgeben, kann sich die Wärmebelastung in kleinen Räumen deutlich bemerkbar machen.
Ein Ventilator kann die Raumtemperatur nicht senken. Er bewegt jedoch die Luft und kann dadurch das Wärmegefühl verbessern. Wichtig ist, dass Beschäftigte nicht dauerhaft direkt angeblasen werden, da Zugluft, trockene Augen oder Verspannungen entstehen können.
Mobile Klimageräte können Räume tatsächlich kühlen, sind aber nicht immer die ideale Lösung. Sie benötigen meist eine Abluftführung nach draußen, verbrauchen mehr Energie und können störende Geräusche verursachen. In stark aufgeheizten Räumen können sie dennoch sinnvoll sein, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.
Auch organisatorische Maßnahmen können helfen. Dazu gehören ein früherer Arbeitsbeginn, flexible Arbeitszeiten, zusätzliche kurze Pausen oder die Verlagerung besonders konzentrierter Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten.
Beschäftigte sollten außerdem regelmäßig trinken. Geeignet sind vor allem Wasser, ungesüßte Tees oder stark verdünnte Saftschorlen. Wichtig ist, nicht erst bei starkem Durst zu trinken, sondern über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen.
Leichte und atmungsaktive Kleidung kann das Wärmeempfinden ebenfalls verbessern, sofern sie zur Tätigkeit, zum Kundenkontakt und zu betrieblichen Vorgaben passt. In vielen Büros kann eine gelockerte Kleiderordnung bei sommerlicher Hitze sinnvoll sein.
Auch die Sitzsituation wird bei Hitze häufig unterschätzt. Wer viele Stunden am Schreibtisch sitzt, bemerkt Wärme besonders am Rücken und an der Sitzfläche. Stark gepolsterte Bürostühle können Wärmestau begünstigen.
Ein Bürostuhl mit Netzrücken kann die Luftzirkulation am Rücken verbessern und dadurch bei warmen Temperaturen angenehmer sein. Er kühlt den Raum zwar nicht, kann aber das Sitzen im Sommer deutlich komfortabler machen.
Wichtig ist jedoch: Ein luftiger Bürostuhl ersetzt keine Maßnahmen gegen hohe Raumtemperaturen. Er kann nur ein ergänzender Baustein sein, wenn Beschäftigte lange sitzen und der Rückenbereich bei Wärme schnell unangenehm wird.
Besonders schutzbedürftige Personen sollten zusätzlich berücksichtigt werden. Dazu können ältere Beschäftigte, Schwangere, gesundheitlich vorbelastete Personen oder Beschäftigte mit Kreislaufproblemen gehören. In solchen Fällen können frühere oder zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein.
Hitze im Büro sollte nicht erst dann ein Thema werden, wenn die Räume bereits stark aufgeheizt sind. Sinnvoll ist ein vorbeugendes Konzept für Sommermonate: Sonnenschutz prüfen, Lüftungsverhalten festlegen, Wärmequellen reduzieren, Ventilatoren sicher einsetzen und Zuständigkeiten klären.
Entscheidend ist immer die Gesamtsituation im Raum. Ein gut verschattetes Büro mit wenig Technik benötigt andere Maßnahmen als ein Dachgeschossbüro mit direkter Sonneneinstrahlung und mehreren laufenden Geräten.
Praxis-Tipp:
Prüfen Sie bei Hitze im Büro zuerst die Ursachen: direkte Sonne, schlechte Lüftung, viele Geräte oder fehlende Luftbewegung. Danach sollten technische Maßnahmen wie Sonnenschutz und Lüftung vor organisatorischen Maßnahmen und persönlichen Hilfsmitteln umgesetzt werden.
Muss der Arbeitgeber bei Hitze im Büro etwas tun?
Ja. Arbeitsräume müssen grundsätzlich eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur haben. Steigen die Temperaturen im Büro deutlich an, muss der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen prüfen und bei hohen Raumtemperaturen wirksame Maßnahmen umsetzen. Dazu können Sonnenschutz, Lüftung, Ventilatoren, Arbeitszeitverlagerung oder andere organisatorische Lösungen gehören.
Gibt es im Büro automatisch Hitzefrei?
Nein. Ein automatisches Hitzefrei gibt es im Arbeitsleben in der Regel nicht. Hohe Temperaturen bedeuten nicht automatisch, dass Beschäftigte nach Hause gehen dürfen. Entscheidend ist, ob der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen trifft und ob gesundheitliche Beschwerden auftreten.
Was hilft sofort gegen Hitze im Büro?
Kurzfristig helfen frühes Lüften, Sonnenschutz schließen, Wärmequellen ausschalten, Ventilator sinnvoll einsetzen, ausreichend trinken und bei Möglichkeit Tätigkeiten in kühlere Räume oder kühlere Tageszeiten verlagern.
Hilft ein Ventilator wirklich gegen Hitze im Büro?
Ein Ventilator senkt nicht die Raumtemperatur. Er sorgt aber für Luftbewegung und kann dadurch das Wärmegefühl verbessern. Wichtig ist, dass niemand dauerhaft direkt im Luftstrom sitzt.
Ist ein Bürostuhl mit Netzrücken im Sommer sinnvoll?
Ja. Ein Bürostuhl mit Netzrücken kann bei warmen Temperaturen angenehmer sein, weil am Rücken mehr Luft zirkulieren kann. Besonders bei langen Arbeitstagen im Büro oder Homeoffice kann das den Sitzkomfort verbessern.
Welche Vorschriften sind maßgeblich?
Die wichtigsten Grundlagen ergeben sich insbesondere aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der ASR A3.5 – Raumtemperatur, der ASR A3.6 – Lüftung, dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sowie ergänzenden Informationen von BAuA und DGUV.
Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:
ASR A3.5 – Raumtemperatur
https://www.baua.de/
ASR A3.6 – Lüftung
https://www.baua.de/
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
https://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/
BAuA – Hohe Raumtemperaturen in Arbeitsstätten
https://www.baua.de/
DGUV – Hitze und Trockenheit am Arbeitsplatz
https://www.dguv.de/
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