Hinweis
Diese Antwort dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Maßgeblich sind die aktuellen Vorschriften und betrieblichen Bedingungen.
Warum ist regelmäßige Bewegung am Arbeitsplatz so wichtig?
Auf einen Blick
Regelmäßige Bewegung am Arbeitsplatz gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, um Rückenbeschwerden, Verspannungen und langfristige Gesundheitsschäden zu vermeiden. Selbst ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz kann die negativen Auswirkungen von stundenlangem Sitzen nicht vollständig ausgleichen. Entscheidend ist deshalb die Kombination aus einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und regelmäßigen Bewegungsphasen während des gesamten Arbeitstages.
Viele Beschäftigte verbringen heute den größten Teil ihres Arbeitstages sitzend – häufig mehr als acht Stunden. Dabei arbeitet die Muskulatur nur eingeschränkt, die Bandscheiben werden dauerhaft belastet und die Durchblutung nimmt ab. Die Folgen zeigen sich oft schleichend: Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Schulterbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schmerzen in Armen und Handgelenken gehören mittlerweile zu den häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten.
Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, dass ein hochwertiger Bürostuhl oder ein ergonomischer Schreibtisch allein ausreichen. Tatsächlich bleibt der menschliche Körper auch auf dem besten Bürostuhl in einer überwiegend statischen Haltung. Muskeln benötigen jedoch regelmäßige Bewegung, um ausreichend durchblutet und belastbar zu bleiben. Deshalb gilt in der Ergonomie der Grundsatz: Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste Sitzhaltung.
Besonders wichtig ist der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen. Bereits das Aufstehen zum Drucker, kurze Wege im Büro oder ein Telefonat im Stehen sorgen dafür, dass sich Muskeln entspannen und die Wirbelsäule entlastet wird. Höhenverstellbare Schreibtische bieten hierfür ideale Voraussetzungen, da sie einen unkomplizierten Wechsel zwischen Sitz- und Steharbeit ermöglichen.
Auch kleine Bewegungseinheiten können einen großen Unterschied machen. Bereits wenige Minuten aktives Gehen oder leichte Dehnübungen regen den Kreislauf an, verbessern die Sauerstoffversorgung des Gehirns und fördern die Konzentration. Viele Beschäftigte berichten, dass sie nach kurzen Bewegungspausen wieder deutlich konzentrierter und leistungsfähiger arbeiten können.
Neben den körperlichen Vorteilen wirkt sich Bewegung auch positiv auf die psychische Gesundheit aus. Kurze Aktivitätsphasen reduzieren Stress, fördern das Wohlbefinden und können die mentale Leistungsfähigkeit steigern. Gerade bei anspruchsvollen Bildschirmtätigkeiten helfen regelmäßige Unterbrechungen dabei, Ermüdungserscheinungen vorzubeugen.
Arbeitgeber profitieren ebenfalls von einer bewegungsfreundlichen Arbeitsplatzgestaltung. Studien zeigen, dass ergonomische Arbeitsplätze in Kombination mit regelmäßiger Bewegung krankheitsbedingte Ausfallzeiten reduzieren und die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöhen können. Deshalb gehört die Förderung ergonomischer Arbeitsweisen heute zum modernen betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Auch Führungskräfte spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Vorgesetzte selbst regelmäßig aufstehen, Besprechungen im Stehen durchführen oder kurze Bewegungspausen fördern, wird Bewegung schneller Teil der Unternehmenskultur. Bereits kleine organisatorische Veränderungen können langfristig einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten haben.
Nicht jede Tätigkeit erlaubt häufiges Aufstehen. In solchen Fällen helfen bereits kleine Veränderungen der Sitzposition, bewusstes Strecken der Beine, Schulterkreisen oder kurze Lockerungsübungen. Entscheidend ist, starre Körperhaltungen möglichst häufig zu unterbrechen.
Wer regelmäßig Sport treibt, sollte sich dennoch während der Arbeitszeit bewegen. Eine Stunde Training am Abend gleicht acht Stunden nahezu unbewegtes Sitzen nur teilweise aus. Bewegung sollte deshalb über den gesamten Tag verteilt stattfinden und möglichst selbstverständlich in den Arbeitsablauf integriert werden.
Praxis-Tipp: Stehen Sie mindestens einmal pro Stunde bewusst auf und bewegen Sie sich zwei bis drei Minuten. Nutzen Sie Telefonate im Stehen, holen Sie Getränke selbst oder gehen Sie bewusst einen kleinen Umweg durchs Büro. Viele kurze Bewegungseinheiten sind deutlich wirksamer als eine lange Pause am Ende des Arbeitstages.
Wie oft sollte man sich während der Arbeit bewegen?
Experten empfehlen, langes Sitzen möglichst alle 30 bis 60 Minuten zu unterbrechen. Bereits kurze Bewegungsphasen von zwei bis fünf Minuten fördern die Durchblutung, entlasten Muskeln und Gelenke und verbessern häufig die Konzentration. Optimal ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen über den gesamten Arbeitstag.
Welche Vorschriften sind maßgeblich?
Die rechtlichen Grundlagen ergeben sich insbesondere aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sowie den Technischen Regeln für Arbeitsstätten – ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“.
Ergänzende Fachinformationen bieten insbesondere:
DGUV Information 215-410 – Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung (PDF)
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/409
DGUV Information 215-442 – Ergonomie im Büro – Fragen und Antworten (PDF)
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3768
BAuA – Bildschirmarbeit und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Bildschirmarbeit/Bildschirmarbeit_node.html